Alleine oder in der Gruppe ?
Viele Triathleten trainieren sehr oft alleine und einsam draußen
in der großen weiten Welt. Sie lassen sich ungern in die Karten
gucken, haben Angst die individuellen Trainingsinhalte und
„Geheimnisse“ an andere weiterzugeben. Manchmal ist das
vielleicht für einige auch gut so, denn wenn Triguru manchmal
sieht wie Triathleten durch die Landschaft spazieren, bekommt er
Atemnot. Um seine Leistungsgrenzen zu verschieben und zu erweitern
eignet sich das Training in der Gruppe sehr gut. Nicht nur die eigene
Leistung verbessert sich dadurch, auch Informationen können
untereinander ausgetauscht werden. Daher empfehle ich allen Athleten,
öfter mal in der Gruppe zu trainieren. Gemeinsame Laufeinheiten
und Radausfahrten bringen Abwechslung und können einem neue
Impulse gegen.
In diesem Zusammenhang, habe ich vor einiger Zeit einen sehr guten
Artikel von Peter Greif im Netz gefunden, dem ich in fast allen
Punkten zustimmen kann. Aber lest selber:
„Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, warum
Gruppentraining den Einzelnen erfolgreicher macht, als ein
Solotraining? Ich nehme an ja. Wir sagen dann meist, die Gruppe
motiviert. Aber warum? So lange ich denken kann, merken unsere
Bundestrainer im DLV an, dass es ganz wichtig ist in einer möglichst
starken Gruppe zu trainieren und verweisen dabei immer wieder auf die
Afrikaner.
Diese laufen von Jugend an in der Gruppe und geben
sich dabei die "Keule", dass man es als Europäer kaum
glauben mag. Trotzdem entwickeln Sie sich zu hervorragenden Läufern.
Jedes Training wird langsam begonnen und endet immer mit einer mehr
oder weniger langen Endbeschleunigung, in dem einer nach dem anderen
abgehängt wird. Sie lehren ihrer zentralen Steuerung bei dieser
Trainingsform die Leistung bitte bereit zustellen, wenn die Post
abgeht, weil ihr Rang in der Gruppe dann stark bedroht ist. Somit ist
das Training vieler Afrikaner nicht nur ein körperliches,
sondern auch ein psychisches Training.
Als zweites Beispiel
kann ich unsere Trainingsurlaube anführen. Dort kommen Leute aus
ganz Deutschland und auch noch einigen anderen Ländern zusammen,
die sich oft nicht kennen. Sie bilden zusammen mit dem Etablierten,
die jedes Jahr dabei sind, eine Gruppe. Und jeder Einzelne muss sich
in dieser Gemeinschaft seinen Rang erkämpfen.
Und dann
kommt es bei den Trainingsläufen zu erstaunlichen Resultaten.
Wir laufen in jedem dieser Trainingsurlaube einen 10 km-Lauf ohne
Uhr. Das heißt, die Teilnehmer können unterwegs keine
Zwischenzeiten nehmen und bekommen auch keine von außen. Dieses
Training stellen wir immer ziemlich am Anfang des Urlaubs, wo die
Gruppenhierarchie noch nicht feststeht. Und dann laufen jedes Mal
mehrere Teilnehmer persönliche Rekorde, ohne auch nur eine
Ahnung zu haben, wie schnell sie nun eigentlich rennen. Zwar wird
dann oft behauptet, dass die Strecke zu kurz ist, weil ich oder ein
Mitarbeiter sie falsch vermessen haben. Aber in diesem Jahr haben wir
diesen Lauf auf einen Kurs absolviert, der offiziell vermessen ist.
Und trotzdem liefen eine Anzahl von Läufer(innen)
Bestzeiten.
Wie ist so etwas zu erklären? Jeder Mensch
strebt in einer Gruppe einen möglichst hohen Rang an, dass ist
in unseren Genen so festgelegt. So weiß auch jeder in der
Trainingsgruppe, dass er sich mit jedem Teilnehmer/in um einen
Gruppenplatz streiten muss, denn die Gemeinschaft bleibt ja längere
Zeit zusammen. Dieser Zustand wird als Bedrohung empfunden und
erzeugt Stress. Dieser Stress ist die Botschaft an den "Central
Governor": Gib Leistung was geht! Und der gibt reichlich, wie zu
sehen ist.
So eine eng miteinander lebende und agierende
Gruppe ist ganz etwas anderes, als die Haufen von Läufern(innen),
in dem man sich bei einem Volkslauf bewegt. "Ist mir doch egal,
ob mich dieser Fuzzi (den ich nicht kenne) noch überholt."
Die enge Gemeinschaft Gleichgesinnter in einem Trainingsurlaub, die
auch noch alle bekannt sind, übt deutlich mehr Druck aus als
eine Gruppe Fremder. Und das ist auch gut so, denn diese Rivalität
schafft einen Vorteil für alle Beteiligten.
Trotz diesen
Auseinandersetzungen im Training kommt es dabei fast niemals zu
Misstönen, dieser Kampf macht allen Spaß. Und so eine
Hierarchie ist auch nicht festgemauert, denn es finden sich innerhalb
der Gemeinschaft immer wieder kleine etwa leistungsgleiche Gruppen
zusammen, die in jedem Tempolauf den "Gruppenkönig"
neu auskämpfen.
Von Einzelnen hört man in den
Trainingsurlauben auch oft Aussagen wie: "Ich kann es absolut
nicht verstehen. Wenn ich zu Hause 3 x 3000 m renne, dann schaffe ich
meine Vorgabezeit aus dem Trainingsplan nur ganz schwer oder bleibe
sogar darüber. Hier kann ich aber diese Zeiten ohne Probleme bis
zu 30 sec unterbieten."
Wir können jetzt diesen
Menschen schon eine Antwort geben. Zu Hause lacht dich dein "Central
Governor" aus, wenn du mehr Leistung verlangst. "Warum soll
ich mehr Energie bereit stellen, ich sehe nicht ein warum."
Stimmt ja auch. Wenn der Betroffene der zentralen Steuerung nicht
erklärt warum und wozu er denn mehr Leistung benötigt, wird
sie ihre Vorratskammer nicht aufmachen.
Dazu muss der
Trainierende seinem Inneren schon den Film zeigen, wie er im nächsten
Jahr die Traumzeit laufen will und wie Holger Meier trainiert ein
Wilder, um ihn im kommenden Frühjahr abermals nach allen Regeln
der Kunst zu zersägen. Wenn die Zentrale diesen Film sieht, dann
gibt sie alles was nötig ist, um schneller zu laufen. Denn
einerseits winkt als Lohn die neue Bestzeit und andererseits muss mit
Holger Meier eine üble Bedrohung ausgeschaltet
werden.
Natürlich stellt sich die Frage beim
Gruppentraining, ob man sich denn bei so einem Training nicht
überlasten kann. Die Antwort ist ja und nein. Die Teilnehmer an
unseren Trainingsurlauben sind nach 14 Tagen kräftemäßig
am Ende. Sie fliegen dann nach Hause mit den Vorgaben von uns sich zu
erholen. Wenn sie diese Vorgaben einhalten, dann kommt es nach 10 -
14 Tagen zu einem gewaltigen Leistungsssprung. Der für manche
als ein wahres Wunder erscheint. "Ich kann es nicht fassen,
Mittwoch im Training habe ich keinen Fuß hoch bekommen und drei
Tage später laufe ich Bestzeit!"
Aber es ist kein
Wunder. Man nennt das Ganze in der Trainingslehre eine zeitversetzte
Adaption. Der Körper hat im Trainingslager keine Zeit zur
Adaption. Weil immer schon die nächste Trainingseinheit ansteht,
bevor er diese Anpassung vollziehen kann, holt er das später
nach. Wenn man ihm dann die Gelegenheit dazu gibt! Wer auf diesem
hohen Niveau weiter trainiert, erlebt ein Desaster. Maximal kann man
ein so dichtes Training 3 Wochen durchhalten. Wer es länger
versucht, bekommt harte, sehr harte Strafen.
Wie machen es
denn dann aber die Afrikaner. Dem Vernehmen nach, kommt es auch bei
denen zu Überforderung. Wenn sie dann aber merken, dass sie
kraftlos sind, dann brechen sie ihr Training ab und machen einfach
gar nichts.
Bevor du nun aber auf die Idee kommst, dein
Training abzubrechen, weil du meinst, du hättest zu viel
trainiert, solltest du wissen, dass wir in unseren Trainingsurlauben
13-mal und die Afrikaner und andere erfolgreiche Läufer(innen)
oft 30-mal in der Woche trainieren. Die meisten unser
Trainingsplanbezieher laufen 4 - 5-mal in der Woche, da wäre
noch eine Menge Raum für mehr, ohne übertrainiert sein,
wenn denn die persönlichen Zeitresscourcen dazu ausreichen
würden. Und jeder, der sich mit viermal Training/Woche
übertrainiert fühlt, sollte besser seinen Alttag
überprüfen, wo meist die größeren Stressoren
lauern.
Und allen meinen Gegnern, die in diversen Foren
umherjaulen und "Greif-Jünger" als Masochisten
bezeichnen, gebe ich mit auf den Weg: "Ihr seit nur ein Haufen
Schwätzer, mit dem Hang zur Selbstentschuldigung." Wer
glaubt Erfolge ohne harte Arbeit erreichen zu können, der irrt
gewaltig. Denn Erfolg erzielt nur der oder die, die sich zu 99% auf
die eigene Transpiration verlassen und den Rest mit dem einen %
Inspiration vervollständigen.
Die Läufer(innen), die
es nicht schaffen mehr als 2 - 3-mal in der Woche zu trainieren, weil
sie einfach nicht genug Zeit dazu haben, wissen ganz genau, dass sie
mehr tun müssten, um weiter vorn zu sein. Diese Leute schweigen
und diskreditieren nicht die, die sich aufraffen, um sich selbst und
damit auch Deutschlands Läufergemeinde aus dem tiefsten
Leistungsloch seit Menschengedenken heraus zu holen.“
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