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*2005

Triguru hat an einem besonderen Rennen teilgenommen. Monaco war der Schauplatz einer Hitzeschlacht und eines spektakulären Triathlons. Leider hat Triguru am Ende ein wenig geschwächelt, aber der Kurs war auch nichts für Weicheier ;-) Alles weitere unter [gekürzt]:


http://www.3athlon.de/news/2005/09/3009_half_ironman_monaco_talk.php


Oder hier der komplette Artikel:
I survived!
Ein Bericht den Half-Ironman Monaco 2005

Ja, ja ich wußte ja, was auf mich zukam ... aber so eine harte Nummer habe ich nun wirklich nicht erwartet. Alles begann vor über einem Jahr, als ich mit Freunden auf dem Rad durch die Alpen, in Richtung Cote Azur fuhr. Damals faszinierte mich die Landschaft so sehr, dass ich mir wünschte, hier irgendwo an einem Triathlon teilzunehmen. So war es dann auch nur eine Formsache, als nach bekannt werden des Half-Ironman Monaco im November 2004, ich mich für dieses Rennen anmeldete. Während der nächsten Monate entschloßen wir uns dann auch mit der ganzen Familie dort zwei Wochen Urlaub zu machen - natürlich nicht in Monaco, sondern in Italien bei Imperia bzw. San Remo.
Der Reiz in diesem Rennen lag für mich, nicht nur an der imposanten Skyline von Monaco und der Landschaft, sondern viel mehr auch daran zwischen den Schönen und Reichen meinen Sport im knappen Tri-Outfit zu präsentieren. Es ist doch wohl ein wenig rebellisch, statt in Escada oder Armani, in TYR und DeSoto durch die Strassen von Monte Carlo zu laufen. Sportlich gesehen, sollte mir als „Bleiente" das Schwimmen mit Neo, in Verbindung mit dem Salzwasser eine kurze Verweildauer im Mittelmeer bescheren - ein naiver Gedanke! Ebenso der Gedanke, dass mir die schwierige Radstrecke liegen würde, erwies sich als Fehleinschätzung.
Das Schwimmen fand in der Bucht von Monaco statt. Um den Zuschauern mehr Action zu bieten, wurde die Schwimmstrecke auf zwei Runden gesplitet, bedeutet ca. 1000 Teilnehmer auf einer 950m Runde. Aber das war ja nicht alles, nach 350m kam die erste Boje - den Rest können sich die meisten denken, dazu später mehr. Das Streckenprofil der Radstrecke sah aus, wie ein Jahresdiagram des DAX. Vier Berge mit insgesamt fast 30km Bergauf Passagen! Das Laufen fand größtenteils auf der Formel 1 Strecke statt. Es sollten 5 Runden gelaufen werden - natürlich in der Mittagshitze!
Meine Saison verlief mit Höhen und Tiefen, aber zufriedenstellend. Mit einem Durchschnitt von 5,5 Stunden Training in der Woche erreichte ich auch größtenteils für mich akzeptable Ergebnisse. Leider stelle sich jedoch am 31 Juli beim Kölner Mitteltriathlon heraus, dass mein „Druck" gerade Mal für ca. 3,5 Stunden Renndauer reicht. Für Monaco hatte ich mir eine Renndauer von ca. 5,5h ausgerechnet ....
Wir reisten eine Woche vor dem Rennen an und konnten eine sehr angenehme Zeit verbringen. Doch das Schicksal nahm bereits am Montag seinem Lauf. Bei einer Testfahrt verlor ich einen von meinen zwei Ersatzschlauchreifen incl. CO2 Pumpe. Ralf Eppink musste als Kurier für die Pumpe herhalten (danke lieber Ralf!), und ein Ersatzreifen reicht ja wohl für eine Mitteldistanz aus, dachte ich mir - oder? Ralf und ich trafen uns am Mittwoch um die Radstrecke abzufahren. Gleich beim ersten Anstieg kamen große Zweifel auf, ob das überhaupt bei der Hitze sinnvoll ist, zu trinken hatten wir auch nur zwei Flaschen. Oben am Berg angekommen, brauchten wir nicht lange zu überlegen „Wir fahren nur zwei Berge!".
Die erste Abfahrt in die wir uns rein stürzten, ist ein wirkliches Highlight und wie für mich geschaffen. Ich bezeichne so etwas immer als Achterbahn. Vor mir fuhren zufällig zwei Polizisten auf Motorrädern. Als ich einen von ihnen in der Abfahrt überholte, winkte er mich gleich zu sich und gab mir zu verstehen, dass ich doch wohl etwas langsamer fahren soll. Na ja, OK! Am Ende des Tages hatten wie dann doch über 60km auf dem Tacho und haben ganz schönen Respekt vor der Radstrecke bekommen.
Bei der Radabgabe am Samstag, stellte ich mit Grauen fest, dass ich vorne eine Platten hatte. Mein Gott, ich habe doch nur noch einen Schlauchreifen. Ich pumpte 10 Bar in den Reifen und hoffte einfach auf ein Wunder. Beim einchecken sah ich dann die ersten Bekannten in der Wechselzone. Andreas Rester, die Konrad-Brüder, die Breitscheider, die Bonner usw. fast wie bei einem Heimrennen. Der Parc-Fermé war sehr langgezogen, ca. 400m - eine lange Strecke zu laufen! Es gab drei Tüten die abzugeben waren und am Strand waren die Ständer mit den Haken für die Tüten. Erstmalig kam in mir ein bisschen Hawaii-Feeling auf.
Sonntag 04:00 Uhr klingelte dann mein Wecker und ich fuhr los. Es ist immer wieder beeindruckend, wenn man von der Autobahn abfährt und in die „Schlucht" von Monte Carlo hinunterbraust. Jede Menge Nachtschwärmer waren unterwegs. In der Wechselzone angekommen ging ich zielstrebig auf mein Rad zu und hoffte auf das Wunder - Fehlanzeige! Mit einem Plattfuß am Rennmorgen fing nun der lange Tag an. Nach 10 Minuten konzentrierten Radwechseln und mit dem Gedanken keinen Ersatzreifen mitzuführen zu können, konnten mich aber zwei dänische Disco-Queens, die gerade leicht angetrunken, verzweifelt Kontakt mit diesen „Aliens" suchten, wieder aufheitern. Ich klärte Sie darüber auf, was wir Aliens hier vor hatten - sie schüttelten nur mit dem Kopf.
Auf dem Weg zum Schwimmstart, sah ich eine schwangere Frau, die eine Startnummer in Form eines Ultraschallfotos von ihrem ungeborenen Baby auf dem Bauch trug. Ich zeigte stolz auf mein Trikot, wo die Namen und das Geburtsdatum meiner Kinder groß zu erkennen sind. „Oh, so sweet!" entgegnete sie mir.
Meine Vereinkollegin Lea Pesch hatte ich bis dato gar nicht zu Gesicht bekommen. Umso mehr erschien es mit fast wie Zauberei, als sie kurz vor dem Start in der ganzen Masse von 1000 Athleten, die mittlerweile alle in schwarzen Neos eingehüllt waren, plötzlich neben mir an der Startlinie stand. 1 Min später stand dann auch noch unerwartet unser Vereinskollege Ralf Eppink neben uns. Es war ein schöner Augenblick, in diesem Moment der Anonymität, Freunde zu treffen.
Dann kam aber auch schon der Startschuss. Es folgte nun das mit Abstand aller härteste Schwimmen meines Lebens! Wir sprangen ins Wasser und vor lauter Menschenmasse, habe ich fast gar kein Wasser sehen können. Ja wirklich! Wir waren wie ein Haufen Fische im Netz das gerade hochgezogen wird. Nur schwarze Neos und Luftblasen - das Wasser kochte! Wir kämpften uns zur ersten Boje, und nach wenigen Augenblicken, bekam ich einen Ellenbogen-Check, der mir noch Tage nach dem Rennen eine dicke, blaue Lippe bescherte. Ich merkte wie ich blutete und hoffte, dass nicht gerade Hammer & Hart mit ihrem Boss Bruce in der Nähe sind. Bei dem kleinen Landgang zwischendurch, torkelte ich wie ein volltrunkener und sprang erleichtert wieder ins Wasser. In der zweiten Runde konnte ich nun endlich schwimmen, jedenfalls dachte ich das. Vollkommen „breit" d.h. erschöpft und bereits jetzt schon übersäuert, kam ich aus dem Wasser und nahm mir gleich vor, nächste Saison auch mal schwimmen zu gehen. Kaum auf dem Rad, hieß es 18km bergauf. Die Franzosen schossen nur so an mir vorbei. Ich fahre wirklich nicht schlecht Rad aber verzweifelt habe ich den unsichtbaren Motor bei den Jungs gesucht - Fehlanzeige. Die kommende Abfahrt (meine Stärke) auf der Achterbahn brachte mich ca. 50 Plätze nach vorne. Hoffung und sogar Spaß keimte in mir auf. Es ging weiter, zum nächsten Anstieg, der sich als relativ moderat rausstellte. Der vorletzte Berg schien allerdings nicht enden zu wollen. Zwischendurch war ein Steilstück drin, wo ich mir eine MTB Übersetzung wünschte. Dafür war die Abfahrt ein weiter Höhepunkt in diesem Rennen. Ich fuhr in einer Gruppe von ca. 15 Athleten die alle so gut downhill fuhren wie ich. Ein Gefühl von Tour de France kam bei uns allen auf. Es hat richtig Spaß gemacht in einer Perlenkette mit 80 km/h die Berge runterzujagen. In dem nun folgenden Flachstück, bin ich mit einem Mitstreiter richtig auf Druck in den letzten Berg hinein gefahren. Dann bekam ich aber auch schon heftige Krämpfe in den Oberschenkeln. Ich weiß nicht, wie viele mich da an diesem letzten Anstieg haben stehen lassen, aber ich habe mich noch nie in meinem Leben so sehr nach einen Berggipfel gesehnt. Völlig erschöpft kam ich oben an und änderte meine Ziele. Die Parole hieß jetzt „I will survive". Nur überleben, nur ankommen, nur „finishen" war jetzt angesagt, wie damals in der Gründerzeit des Triathlonsports.
Nun stand ja noch ein Halbmarathon an. Das Ziel hier war klar definiert: Durchlaufen und an jeder Verpflegungsstelle anhalten und trinken - nur nicht gehen! In der Mittagshitze mussten wir 5mal einen 400m langen Anstieg hoch laufen - eine Unverschämtheit uns so etwas anzutun, bloß weil es die Formel 1 Strecke ist. Die dazugehörige Bergab Passage, war nicht minder schlimm. Steiler, härter und brutal! Man hatte Angst, sich die Beine zu brechen. Unterwegs traf ich einige Leidensgenossen, die ebenfalls mit großen Problemen zu kämpfen hatten, Magenprobleme, verlorene Schwimmbrillen, Reifendefekt, Krämpfe etc. die Liste der „Rückschläge" war lang. Immerhin schaffte ich es irgendwann und irgendwie ins Ziel zu torkeln.
Nach dem ich mich ein wenig von den Strapazen erholen konnte, führten wir Triathleten die üblichen Gespräche: „Es war superhart, mir war schlecht, ich hatte Krämpfe, ich war fertig ....... aber es war schön!" Eine Zuhörerin sagte nur „Ihr seid pervers!"
Fazit: Das Rennen war sehr hart, hatte eine faszinierende Streckenführung, die Kulisse war gigantisch und es ist eine richtige Herausforderung! Hier kommt noch der „Finishergedanke" auf.
Zeit? Platzierung?
Übrigens: Das sportliche Niveau der Athleten war zu vergleichen, mit dem auf Hawaii. Jedenfalls weit aus höher als in Roth oder Frankfurt! Und noch etwas, allen denen Hawaii zu teuer ist und, oder sportlich einfach nicht erreichbar, kann ich dieses Rennen nur wärmstes empfehlen. Klar, Hawaii bleibt Hawaii! Aber eine ganz besondere Atmosphäre ist es in jedem Fall in Monaco und sportlich gesehen ist es zwar eine echte Herausforderung, aber realisierbar - auch mit 5,5 Stunden Training in der Woche. Ich denke jedoch, um den Spaßfaktor zu erhöhen und die Schmerzen zu verringern, sollte auch ich ein wenig mehr trainieren.

Ach ja, tatsächlich: es fahren mehr Ferraris in Monaco, als Kuotas.

Noch etwas: Danke an Lea Pesch, Olaf Sabatschus & Ralf Eppink für die Unterstützung und Hilfe. Und ein besonders großes Dankeschön an meine Frau Anna, und meinen Kids Emma & Elias für den besten Support der Welt.

Nedim Yildiz
... Survived the Half-Ironman Monaco


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